Abschied in Lauterbach
Scheidender Bürgermeister Norbert Swoboda mit Lob überschüttet

Rathausteam lässt Chef nur ungern ziehen

Text und Bilder Martin Dold, Schwarzwälder Bote

Dabei schwante ihm zu Beginn Böses: Kaum höre Swoboda auf, gingen in Lauterbach die Lichter aus – und zwar sprichwörtlich. In der Hornberger und Pfarrer-Sieger-Straße und der Sonnensteige wurde es nach einem Ausfall der Straßenbeleuchtung kurz vor der Verabschiedung zappenduster.

Umso mehr strahlten aber anschließend die vielen Besucher im Gemeindehaus. Dass Swoboda ein »Vereinsmeier« im positiven Sinne ist, wurde beim Aufmarsch der Vereinsvorsitzenden deutlich. Der Bürgermeister habe vieles unbürokratisch erledigt, lobte Johannes Geprägs vom Musikverein Lauterbach. Er überreichte Swoboda einen Gutschein für lebenslang freien Eintritt beim Konzert des Musikvereins. Allerdings: Wenn Swoboda in zehn Jahren nicht mindestens sechs Mal anwesend ist, wird ihm dieses Privileg entzogen.

Doppeltes Vergnügen

Evi Brucker von den Hoorigen Hunden sagte auch im Namen der Sulzbacher Vereine, dass Swoboda das doppelte Vergnügen hatte – mit Veranstaltungen in Lauterbach und Sulzbach.

Agnes Broghammer vom Obst- und Gartenbauverein gab das Gedicht »Lob dem Apfel« zum Besten und mahnte Swoboda: »Gartenarbeit hält fit«.


Über die Grenzen hinaus

Siegfried King von den Kickers schmunzelte, dass Norbert Swoboda in vielen Sportarten zuhause sei, aber auch öfters über die Grenzen hinaus gegangen sei. »Im Gemeinderat hatten wir dann immer wieder einen lädierten Bürgermeister«, erinnerte er sich. Einst habe er Swoboda schon als Fußballer von Locherhof nach Lauterbach holen wollen. Aber: »Der Speck lockte ihn leider nach Bösingen«, so King. Er überreichte ihm eine Dauerkarte auf Lebenszeit für die Heimspiele der Kickers.

Am Fasnetssamstag vors Narrengericht

Frank Schwendemann von der Narrenzunft zeigte sich verwundert, dass Swoboda diesmal den Schlüssel zum Rathaus gar nicht mehr zurückhaben wolle. Ingo Maurer drohte dem scheidenden Bürgermeister an, dass er am Fasnetssamstag vors Narrengericht komme.

Rolf Buchholz erinnerte zuvor an die vielen Verdienste Swobodas. Dazu zählte unter anderem er die Gründung der Jugendfeuerwehr, die Einrichtung der verlässlichen Grundschule, den Bau des Kunstrasenplatzes, die Ortskern- und Schulsanierung, die Neugestaltung des Rathausplatzes sowie die Sanierung von Friedhof und der Galerie Wilhelm Kimmich.

Viele Millionen an Fördergeldern

»Du hattest auch die Gabe, Zuschüsse abzugreifen. Sogar solche, von denen ein normaler Bürger gar nichts weiß«, sagte Buchholz. Insgesamt dürften so zehn bis 15 Millionen Euro an Fördergeldern nach Lauterbach geflossen sein. »Zur medizinischen Versorgung: Das war ganz großes Kino, wie du das hingekriegt hast«, lobte er.

Swoboda erhielt ein Bild von Ingrid Wild mit dem Titel »Viel des Guten«. Dafür sei fast eine Klausurtagung nötig gewesen, bis man sich darauf geeinigt habe, verriet Buchholz.

Patente Kerle

Schon lange dicke Freunde

Humorvolle Noten brachte auch Pfarrer Rüdiger Kocholl ein: »Wir sind seit 17 Jahren dicke Freunde«, sagte er. Und weiter: »Als ich deine Frau Uta kennengelernt habe, habe ich verstanden, warum es heißt, dass die Frau die bessere Hälfte ist.« Die Lacher hatte er damit natürlich auf seiner Seite. Kocholl hatte überlegt, Swoboda nun als Ministrant in der katholischen Kirchengemeinde aufzunehmen. »Dann habe ich gemerkt: Das wird nix. Aber ich habe Pralinen mitgebracht, wo die Kirche drauf ist«, sagte der Pfarrer. Er verwies auf die intensive Zusammenarbeit, insbesondere beim Kindergarten, bevor er mit Tanja Gerger und Jochen Schwendemann Geschenke überreichte.

Swoboda wurde den ganzen Abend über mit einer wahren Flut an Präsenten überhäuft, für deren Abtransport ein Kleinlaster angebracht gewesen wäre.

Immer ein Teamplayer gewesen

Rektorin Sandra Winterhalter lobte, dass Swoboda immer ein offenes Ohr für die Belange der Schule gehabt habe. »Die Zusammenarbeit war unkompliziert und vertrauensvoll«, urteilte sie. Die Galerie sei ein Baustein der Naturparkschule, daher freue sie sich auf eine weitere Zusammenarbeit mit dem Kunstvereins-Vorsitzenden Norbert Swoboda.

Hauptamtsleiter Andreas Kaupp war viele Jahre die rechte Hand von Swoboda. »Schon früh nach der Wahl haben wir gemerkt: Hauptamtsleiter sind patente Kerle«, sagte er in Anspielung auf Swobodas frühere Tätigkeit als Hauptamtsleiter in Aichhalden. Swoboda sei kein Chef gewesen, der über allem thront, sondern immer Teamplayer gewesen. Gegenseitigen Respekt habe es aber immer gegeben. »Ein Chef, wie man ihn sich nur wünschen kann«, sagte Kaupp. Fehlen werde aber das Swoboda’sche Zeitmanagement: »Wenn der Chef da ist, sind alle da«, habe es im Rathaus geheißen.

Swobodas Sekretärin Dorothee Broghammer bekannte: »Wir lassen dich nur ungern gehen.« Er sei ein liebenswerter Chef gewesen, der immer das Beste für Lauterbach gewollt habe.